Der Koloss von Rhodos

 

Originaltitel: Il Colosso di Rodi
Genre: Abenteuer/Drama/Historienfilm 
Freigabe: FSK 12  
Produktion: SP/IT/FR 1961
Veröffentlichung DVD: erhältlich
Anbieter: e-m-s
Ländercode: 2
Laufzeit: 2:17:17
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Rory Calhoun, Lea Massari, Georges Marchal...
Musik: Angelo Francesco Lavagnino
Produzent: Michele Scaglione
Drehbuch: Sergio Leone et. al.
EAN: 4020974161312
Links zum Film: IMDB OFDB
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INHALT

Wir schreiben das Jahr 1961. Ganz groß in Mode sind derzeit die sogenannten Sandalenfilme und in die Kinos kommt ein weiterer, typischer Genrevertreter: "Der Koloss von Rhodos", das Erstlingswerk des Italieners Sergio Leone. Das Publikum strömt in die Kinos, der Film wird ein Erfolg. Zurück in die Jetztzeit. Warum ist "der Koloss von Rhodos" heutzutage bekannt - zumindest unter Filmliebhabern? Sicher nicht wegen einer bahnbrechenden Leistung, nicht, weil der Film etwas verändert hat und auch nicht, weil er außergewöhnlich ist. Nein, der Film ist heute fast alleine aus dem Grunde bekannt, weil er das (offizielle) Erstlingswerk eines Regisseurs ist, dessen Name heutzutage fast jedem Menschen dieser Erde bekannt ist. Es ist fraglich, ob der Film unter der Regie eines kleinen, unbedeutenden Regisseurs heute noch bekannt wäre, ja, ob sich die Mühe sogar lohnen würde, eine aufwändig restaurierte Special Edition auf DVD zu veröffentlichen. Aber nun genug der Hirngespinste, immerhin mussten Leone-Anhänger lange Zeit warten, diesen Film überhaupt sehen zu können, denn bis jetzt war er weltweit nur in entweder einer verstümmelten Fassung oder nur im italienischen O-Ton ohne Untertitel, dafür aber in der Langfassung erhältlich. E-M-S nahm sich die Wünsche der Fans zu Herzen und veröffentlichte nun den Film zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum in seiner Originalfassung auf DVD.
In der typischen Form der Sandalenfilme erzählt "Der Koloss von Rhodos" die Geschichte des Griechen Darios (Rory Calhoun), der sich in Rhodos vom Krieg erholen will und seine Augen auf die hübsche Diala (Lea Massari) geworfen hat. Gegen seinen Willen wird er wird hineingezogen in die Bewegung von Rebellen unter der Führung von Peliocles (Georges Marchal), die den ersten Minister Tireo (Conrado San Martín) stürzen wollen - nicht aus Machtsucht heraus, sondern weil sich dieser mit den Phöniziern - Erzfeinden Griechenlands - verbündet hat. So will er den ahnungslosen König Xerxes stürzen, die Herrschaft an sich reißen und Diala zu seiner Frau und Königin machen. Als Tireo Peliocles und seine Männer in Gefangenschaft nimmt und in der Arena zur Belustigung der Bevölkerung töten will, muss Darios all seine Kräfte einsetzen, um alles zum Guten zu wenden, doch dann wird Rhodos auch noch von einem gewaltigen Erdbeben heimgesucht...

Wie oben schon angedeutet, ist "der Koloss von Rhodos" nicht mehr und nicht weniger als ein mittelmäßiger Beitrag zu einer ganzen Schwämme an Sandalenfilmen der 50er und 60er. Die Geschichte wirkt trivial und durchschaubar, stellenweise holprig, mit einigen Plotholes und Ungereimtheiten, zudem fehlt es dem Film an Identifikationspersonen - keiner der Charaktere will durch die aufgebaute Distanz dem Zuseher so richtig nahe gehen. Dazu trägt auch bei, dass die Darsteller zumeist holprig agieren, ohne Herzblut, ohne große Überzeugung, lediglich die hübsche Lea Massari kann ihren Charme ausspielen und in ihrer Rolle aufgehen. Über diese Defizite können die actionreiche Inszenierung und die vielen Höhepunkte zwar etwas hinwegtrösten, wer einen tollen, vielschichtigen Sandalenfilm zur abendlichen Unterhaltung sucht, der wird bei diesem Film aber dennoch ein paar Abstriche machen müssen.
In Verzückung versetzen wird diese Veröffentlichung aber alle Fans (und solche, die es noch werden wollen) des Altmeisters Sergio Leone. Obwohl "Der Koloss von Rhodos" noch weit von seinen späteren Meisterwerken entfernt ist, lassen sich schon Ansätze seines unverwechselbaren Stils erkennen. So zeugt schon die Anfangssequenz, eine in sich abgeschlossene Episode des Gefangenenausbruchs, von Sergios ganz eigener Vorstellung filmischer Exposition. Auch innerhalb der relativ belanglosen Geschichte finden sich immer wieder Glanzpunkte, wie die Inszenierung eines Pferderittes oder der packende Erdbeben-Showdown am Ende des Filmes. Erkennen lässt sich auch schon Leones Vorliebe für statische Bilder, gekonnt funktionalisierte Schnitte sind ihm lieber als Kamerafahrten. Die Brutalität im Film, die in seinen späteren Werken noch weiter ausgebaut wurde, äußert sich bereits in Form von Folterszenen - unerträglich, auch für den Zuseher, ist eine Episode, in der ein armer Mensch im Inneren einer angeschlagenen Glocke gefügig gemacht werden soll. Es sind diese kleinen Momente der Vertrautheit, des Wiedererkennens, die den Film trotz seiner sonstigen Unausgereiftheit für den Leone-Fan wieder interessant machen und einen schönen Filmabend bereiten. Kein Meilenstein in der Filmgeschichte, aber ein wichtiges Element im Heranwachsen eines großen Meisters der bewegten Bilder.

 

Störendes/auffälliges Product-Placement: NEIN

Sehenswertes in/nach den Credits: NEIN

Zielgruppe: Kunstkino 50% - Mainstream 50%

Wertung Film:
Wiederabspielwert:


BILD

Format: 2,35:1 - 16:9 
Originalformat: JA
System: PAL 
Bemerkungen: Bei der Restauration des Bildes ist alles gut gegangen, für das Alter des Filmes lassen sich kaum Kritikpunkte finden. So wirken die Farben zwar recht angenehm, eine gewisse Blässe und ein Rotstich lassen sich dennoch aber die meiste Zeit über erkennen. Schwarzwert und Kontrast sind zumeist sehr gut ausgefallen - nur die Nachtszenen wirken generell zu dunkel, was aber schon an der Aufnahme liegt, bei der die Szenen am Tag mit dunklen Blaufiltern gedreht wurden, was einen etwas gekünstelten, unwirklichen Eindruck hinterlässt. Die Schärfe ist trotz einer leichten Weichheit recht angenehm ausgefallen mit einer guten Detailzeichnung, leichte Doppelkonturen weisen auf digitale Schärffilter hin. Rauschen ist die meiste Zeit über nur leicht, selten stärker zu vernehmen und wirkt nie störend, auch Filmdefekte halten sich, bis auf die letzten Minuten (Laufstreifen), stark in Grenzen. Generell lässt sich sonst noch ein leicht unruhiger Bildstand feststellen, die Kompression ist bis auf ein paar Kleinigkeiten sehr gut gelungen.
Insgesamt ein sehr gut restauriertes Bild mit nur wenigen Fehlern, über die man angesichts des Alters gerne hinwegsehen kann. 
Wertung Bild: 60%

TON

Sprachen/Format(e):

Dolby Digital - Spuren

DTS - Spuren:

PCM - Spuren:

Deutsch 2.0 - 192 kbit
Italienisch 2.0 - 192 kbit

keine

keine

Untertitel: Deutsch
Bemerkungen: Da alle bisherigen deutschen Veröffentlichungen dieses Filmes mehr oder weniger stark geschnitten waren, mussten etliche Minuten neu synchronisiert werden. Bei e-m-s entschied man sich dankenswerterweise dafür, nur die fehlenden Stellen neu zu besprechen, was auch sehr sorgfältig erfolgte, da die neuen Sprecher den alten ähnlich und auch nicht modern oder unpassend klingen.
Ansonsten bekommt man sowohl bei der italienischen als auch bei der deutschen Tonspur ganz passable Leistungen geliefert. Dem Alter entsprechend ist die Dynamik natürlich gering und man muss sich mit einem leicht flachen und verwitterten Ton zufrieden geben, dennoch aber sind die Dialoge stets gut verständlich und größere Fehler fallen nicht auf.
Schwach sind allerdings die deutschen Untertitel, die vom gesprochenen Wort beider Sprachfassungen teilweise stark abweichen und auch einige Rechtschreibfehler besitzen - nicht so toll für O-Ton-Seher, die des Italienischen nicht mächtig sind. Eine große Chance hat e-m-s zusätzlich dadurch verpasst, dass der DVD keine englischen Untertitel spendiert wurden. Diese hätten nämlich Tausende von DVD-Import-Fans aus aller Welt in Verzückung versetzt, da es von diesem Film noch keine einzige VÖ mit englischen Untertiteln für den Weltmarkt gibt...
Wertung Ton: 50%

AUSSTATTUNG

Anzahl DVDs: 2
Verpackung: Amaray im Schuber
Menüs: animiert, mit Musik hinterlegt
Bemerkungen: Im schönen Pappschuber, der sich nahtlos in die anderen Titel der Reihe "Meisterwerke der Filmgeschichte" einpasst, findet sich ein Amaray, in dem wiederum ein 16-seitiges Booklet mit interessanten Hintergrundinfos und Original-Werbematerial steckt.
Auf DVD1 befinden sich die folgenden Bonusmaterialien:
- 6 Trailer zu weiteren Filmen
- Trailer der Wiederaufführung
- Deutscher Originaltrailer
- selbstablaufende Bildergalerie (6 min.)
- 10 Texttafeln über Sergio Leone
- "Der Koloss von Rhodos - Wahrheit und Legende" (5 Texttafeln)

Die beiliegende zweite DVD beinhaltet schließlich die Dokumentation "Die sieben Weltwunder", gut 50 Minuten lang und wahlweise in Deutsch oder Englisch für geschichtlich Interessierte sehr informativ ausgefallen.
Auch, wenn die Bildergalerie schön anzusehen und die Texttafeln informativ sind, ein Audiokommentar von oder Interviews mit beteiligten Personen wären eine unermessliche Schatzgrube für Sergio Leone-Fans gewesen. Die tolle Dokumentation auf DVD 2 und der geringe Kaufpreis können das zwar teilweise wieder wettmachen, dennoch wäre etwas mehr Material zum Film wünschenswert gewesen.
Wertung Ausstattung: 60%

Fazit

"Der Koloss von Rhodos", Sergio Leones Erstlingswerk, ist ein bildgewaltiges Sandalenepos, das aber dennoch einige Schnitzer hat. Fans des Altmeisters stört das aber wenig, sie freuen sich stattdessen über die sehr gute Bild- und gute Tonqualität und die Möglichkeit, diesen Film endlich ungeschnitten sehen zu können.

Prädikat: empfehlenswert


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Verantwortlicher Redakteur: Klaus Doblmann  Rezensionsdatum: 09.01.2007

Infos zum Testverfahren

Alle verwendeten Bilder etc. copyright e-m-s!
Diese Test-DVD wurde uns dankenswerterweise von e-m-s zur Verfügung gestellt

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