Die Erbin vom Washington Square

 

Originaltitel: Washington Square
Genre: Drama/Romanze 
Freigabe: FSK 6  
Produktion: USA/1997
Veröffentlichung DVD: 12.10.2006
Anbieter: Galileo Medien AG
Ländercode: 2
Laufzeit: 1:51:04
Regie: Agnieszka Holland
Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Albert Finney, Maggie Smith, Ben Chaplin...
Musik: Jan A.P. Kaczmarek
Produzent: Roger Birnbaum, Julie Bergman Sender
Drehbuch: Carol Doyle (nach dem Buch von Henry James)
EAN: 4260090981504
Links zum Film: IMDB OFDB
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INHALT

Planen Sie, in Sofia Coppolas Kostümdrama "Marie Antoinette" reinzugehen? Ja? Dann habe ich zwei Empfehlungen an Sie: Erstens, lesen Sie unsere Kritik zum Film und zweitens: Vergessen sie ihn, ich habe eine viel bessere Alternative für Sie, nämlich "Die Erbin vom Washington Square", und um den zu genießen, müssen Sie noch nicht mal zum nächsten Kino fahren - Sie können ihn sich einfach vom Postboten bringen lassen. 
Mit "Die Erbin vom Washington Square" verfilmte Agnieszka Holland das gleichnamige Buch von Henry James - es handelt von Catherine Sloper (Jennifer Jason Leigh), der Tochter des reichen und angesehenen Arztes Dr. Austin Sloper (Albert Finney). Als solche hat sie es nicht einfach, denn ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, ein Ereignis, das der Vater nie richtig überwinden konnte. Zudem ist Catherine nicht gerade besonders hell im Kopf und auch keine große Schönheit, sodass sie sich stets Erniedrigungen gefallen lassen muss und so droht, zu der selben alten Jungfer zu werden, die ihre Tante Lavinia Penniman (Maggie Smith) ist, ihre einzige Verbündete und eine Art "Ersatzmutter". Als sie sich dann eines Tages in den jungen Morris Townsend (Ben Chaplin) verliebt, der sie als erster Mensch nicht als Dummchen sieht sondern sie liebt, wie sie ist, beginnen erst die Probleme, denn Morris ist ein armer Weltenbummler und Catherines Vater verbietet die Beziehung, da er hinter der Fassade der Liebe reine Geldgier vermutet...

Um einen Film mit einem solchen Plot nicht in die Kitsch- und Schmonzettenecke abdriften zu lassen, braucht es starke Charaktere, und genau hier brilliert der Streifen, wo andere versagen: Jede einzelne Figur wird peinlich genau, mit Liebe zum Detail eingeführt und hat ihren definierten Platz in der Geschichte. Damit ist aber noch nicht Schluss, denn auch die Charakterentwicklung funktioniert prächtig: Ist Catherine wirklich das dumme Mauerblümchen, oder kann sie sich entwickeln? Steckt hinter ihrem Vater ein kaltblütiger, kapitalistischer Geschäftsmann, oder kann er sich wandeln? Ist Tante Lavinia wirklich nur eine liebenswerte Person oder versteckt sie etwas hinter der Fassade? Und, besonders wichtig: Liebt Morris Catherine wirklich oder hat er doppelte Gedanken? Die Lösungen sind beileibe nicht einfach oder stets vorhersehbar, ständig verstecken sich kleine Hinweise oder Veränderungen, die den Film auf die Dauer interessant und keineswegs eindimensional machen. Großen Anteil daran, dass der Film vom Anfang bis zum Ende zu faszinieren weiß, haben die Schauspieler, allen voran Jennifer Jason Leigh, die ihre Rolle mit solcher Passion spielt, dass es wie eine große Ungerechtigkeit erscheint, dass sie dafür nicht mit Preisen überhäuft wurde. Aber auch die anderen Darsteller sollte man nicht vergessen, Maggie Smith als liebenswerte Dame, die einige Lacher im Film für sich hat, Albert Finney als kalkulierender Vater oder auch Ben Chaplin - ein perfekt abgestimmtes und wunderbar agierendes Ensemble.
Aber nicht nur die Geschichte und die Charaktere stimmen, auch die Ausstattung weiß zu gefallen, mit viel Liebe zum Detail und ohne Überzeichnung wird die Geschichte in Szene gesetzt, stets schwingt ein bitterer Hauch an Realität mit, ganz abseits von Hochglanzproduktionen. Auch die Kamera ist, anders als in vielen Genrestücken, nicht statisch, stets ist sie in Bewegung, mal begleitend, mal deutend und passt perfekt zum dynamischen Geschehen. Schwachpunkte am Film auszumachen fällt sehr schwer. Kenner des Buches werden etwas den Humor vermissen und der Streifen lockert die Geschichte besonders am Beginn gegenüber der Vorlage etwas auf, sodass die einzige etwas unpassende Szene die ist, als sich Catherine als junges Mädchen aus Angst vor dem Vortragen eines Liedes in die Hosen macht - das hätte subtiler gelöst werden können. Insgesamt zieht "Die Erbin vom Washington Square" mit seiner vielschichtigen Story und den grandiosen Charakteren voll in seinen Bann und ist ohne Frage eine der besten Verfilmungen der Geschichten von Henry James - ich jedenfalls genoss jede einzelne Minute dieses wunderbaren Werkes. 

 

Störendes/auffälliges Product-Placement: NEIN

Sehenswertes in/nach den Credits: NEIN

Zielgruppe: Kunstkino 50% - Mainstream 50%

Wertung Film:
Wiederabspielwert:


BILD

Format: 1,85:1 - 16:9 
Originalformat: JA
System: PAL 
Bemerkungen: Der Film präsentiert sich auch im Bild recht gefällig: Warme, etwas zurückgenommene und teils grünliche Farben untermalen die Stimmung im Film. Der Kontrast ist zumeist sehr gut ausgefallen, nur manchmal überstrahlen weiße Flächen etwas, auch der Schwarzwert ist fast durchgehend sehr solide. Auch Schärfe und Detailzeichnung wissen zu überzeugen, könnten zwar manchmal etwas besser sein und stellenweise fallen die Schärfefilter in Form von leichten Doppelkonturen etwas auf, im Prinzip kann man aber sehr zufrieden sein. Defekte und Rauschen fallen kaum auf, lediglich die Kompression äußert sich stellenweise in Form von Blockrauschen. 
Wertung Bild: 70%

TON

Sprachen/Format(e):

Dolby Digital - Spuren

DTS - Spuren:

PCM - Spuren:

Deutsch 2.0 SR - 192kbit
Englisch 2.0 SR - 192kbit

keine

keine

Untertitel: Deutsch (in Originalfassung nicht ausblendbar)
Bemerkungen: Schade, dass es der 5.1-Mix nicht auf die DVD geschafft hat, dessen Abwesenheit fällt aber nicht sonderlich stark auf, denn die Surround-Mixes reichen für den dialoglastigen Streifen vollkommen aus. Besonders die Originalfassung überzeugt durch eine klare Dialogwiedergabe (nur bei der Szene am Berggipfel fallen kleine Störungen auf), eine feine Umgebungskulisse und einem präsenten Musikmix. Der deutsche Ton ist auch recht gut ausgefallen, allerdings gegenüber dem O-Ton etwas dumpf und mit weniger Umgebungsgeräuschen. Insgesamt können beide Tonspuren überzeugen, ich empfehle allerdings (wie fast immer) den O-Ton durch die bessere Atmosphäre.
Wertung Ton: 60%

AUSSTATTUNG

Anzahl DVDs: 1
Verpackung: Slimline-Digi ohne Schuber
Menüs: animiert, mit Musik hinterlegt.
Bemerkungen: Auf dem Silberling, der in einem schön aufgemachten Slimline-Digipak steckt, finden sich neben 5 Trailern zu weiteren DVDs ein 6,5-minütiges "Behind the Scenes"-Special und gut 8 Minuten an Interviews (am Stück). Das Special ist leider unkommentiert und liefert deshalb nur geringen Einblick in die Produktion. Die Interviews wären zwar sehr interessant, sind ab dem zweiten aber im Ton unsynchron, sodass teilweise eine andere Person spricht, als im Bild zu sehen ist - hier hat wohl die Qualitätssicherung versagt. Beide Specials sind deutsch untertitelt. Der beste Bonus liegt in Form eines 12-seitigen Booklets gedruckt vor, das auf Buchvorlage, Darsteller, Drehorte und vieles mehr eingeht.
Wertung Ausstattung: 30%

Fazit

Ein wundervolles Kostümdrama in einer technisch ansprechenden Veröffentlichung, das ich interessierten Filmfans nur allerwärmstens ans Herz legen kann. Sehr schade ist allerdings, dass die Interviews im Ton nicht synchron sind.


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Verantwortlicher Redakteur: Klaus Doblmann  Rezensionsdatum: 18.10.2006

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