Bilder aus den Filmen:

Denn sie kennen kein Erbarmen:




Töte, Amigo:





Yankee:




Der Tod sagt Amen:



Alle Bilder © KochMedia

AMIGO SAGT AMEN UND KENNT KEIN ERBARMEN, YANKEE

Bereits in vergangenen Jahren machte sich Koch Media daran, Perlen des Italowestern auf DVD zu veröffentlichen und wurde so zum Darling der Westernfans. Kein Wunder, ist doch der Leiter von Koch Media Home Entertainment zugleich auch der Autor des Italowestern Lexikons „Für ein paar Leichen mehr“. Bislang legte Koch Media sein Hauptaugenmerk auf die Veröffentlichung diverser Boxsets, wie der Halleluja-, Django-, oder Sergio Sollima Box, allesamt liebevoll restauriert und mit reichlich Bonusmaterial angehäuft. Nur war es leider um die Wirtschaftlichkeit dieser Boxen eher schlecht bestellt und es erwies sich, dass für den Italowestern der Markt im deutschsprachigen Raum wohl doch noch etwas zu klein ist. Jetzt, nach einigen Monaten Pause, versucht es Koch Media noch mal: Mit neuem Konzept, stilvollem Design und zu besonders günstigem Preis soll bewiesen werden, dass man eben doch auch mit Italowestern Gewinne einfahren kann. Was die Fans vor allem freut: Auf exklusives Bonusmaterial sowie eine aufwändige Restaurierung müssen sie auch weiterhin nicht verzichten! 

Das neue Design

Zunächst sticht vor allem die stilvolle Verpackung ins Auge. Von der Aufmachung her ähnlich wie die Klappdigis bei der SZ-Collection, allerdings nicht größer als ein normales Amaray Cover. Somit passt die Verpackung auch ins handelsübliche DVD Regal. Die Innenseiten der Verpackung werden natürlich genutzt, um Informationen zum Film oder zu seinen Machern zu geben und ersetzen somit das Booklet. Die Covers selbst werden nicht von Filmplakaten geziert, sondern von edlen Schwarzdrucken auf kräftigen Farben. Die Prägeschrift auf dem Cover ist gewissermaßen das Tüpfelchen auf dem I und rundet die Optik perfekt ab.

 

DENN SIE KENNEN KEIN ERBARMEN 

Auftakt zur durchnummerierten Reihe bildet diese neue Dokumentation von Hans-Jürgen Panitz und Peter Dollinger aus dem Jahr 2006. In 88 Minuten erfährt man eine ganze Menge über sämtliche Aspekte des Italowestern – angereichert mit zahlreichen Interviews, Filmausschnitten, historischem Material etc. Vieles kennt der Italowesternfan, der bereits frühere Dokus, die Koch Media auf ihren DVDs bereitgestellt hat, gesehen hat, schon. Doch die neue Zusammenstellung des Materials und die Ergänzung mit neuen Erkenntnissen machen daraus ein völlig neues Ergebnis. Ein Ergebnis, das ein Muss für jeden Italowesternfan darstellt, wenngleich etwas zu stark auf die „großen“ Filme fokussiert wird und B- und C- Western fast völlig außen vor gelassen werden.

Bild- und Tonqualität sind über jeden Zweifel erhaben, als Bonus winkt eine kurze Featurette mit Synchronsprecher Hartmut Neugebauer und Komponisten Yullwin Mak. Auf CD ist zudem der Soundtrack des Films beigelegt. Dieser ist sehr stark den Originalen nachempfunden, ohne aber auf eigene Ideen zu verzichten! Starker Auftakt!

 

TÖTE AMIGO

Im Original Quièn Sabe? betitelt, ist dieser filmische Auftakt in die Italowestern Collection ein großer und gewaltiger. Mit Gian Maria Volontè, einem der prägnantesten Charakterdarsteller des Italowesterns, als exzentrischen und hitzköpfigen Revoluzzer und Lou Castel als zwielichtiger und undurchschaubarer Gringo erschafft Regisseur Damiano Damiani einen der politischsten Western in einer Zeit (1966), in der das Genre noch in den Kinderschuhen steckt, aber die Ideen groß sind und Revolutionen zum Tagesgeschäft in der Weltpolitik gehörten. Damiani geht einen Schritt weiter und zeigt die Revolution als Geschäftemacherei und die Exzesse der Aufständischen nur unbedeutend weniger grausam als die brutale Herrschaft der Obrigkeit. Oder wie es Walter Benjamin schon formulierte: Revolution ist kein Schritt nach vorne, sondern ein Tigersprung in die Vergangenheit.

Zum Schluss wird genau dieses im Film zum Ausdruck gebracht: „Kauf kein Brot, Amigo, kauf Dynamit!“ heißt es da. Damiani sollte seinem Credo, politische Anliegen in unterhaltsame Filme subversiv zu verpacken, weiterhin treu bleiben. Nach Quièn Sabe? entstanden Filme wie Il giorno della civetta, Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica oder in den 80ern die Serie La Piovra – Allein gegen die Mafia. Klaus Kinski ist in einer Nebenrolle als revolutionstüchtiger Pfarrer zu sehen.  

Der bislang nur gekürzt erhältliche Film ist nun erstmals in seiner Langfassung auf DVD erhältlich. Nicht deutsch vorliegende Passagen werden im englischen Originalton mit Untertiteln wiedergegeben. Bild- und Tonqualität (Sprachen: Deutsch/Englisch)sind hervorragend gelungen, an Extras gibt es zwei Interviews, mit Regisseur Damiani und Darsteller Lou Castel, sowie Trailer und eine umfangreiche Bildergalerie. Ein unverzichtbarer und zu Unrecht unbekannter Meilenstein des Italowesterns. 

Italien, 1966
Laufzeit: 113:01 Minuten
Darsteller: Klaus Kinski, Gian Maria Volontè, Lou Castel, Andrea Checchi, Spartaco Conversi, Jaime Fernández, u.a.
Musik: Ennio Morricone, Luis Enríquez Bacalov
Regie: Damiano Damiani

 

YANKEE

 Tinto Brass ist eher für seine Erotikfilme bekannt. Bevor der frühere Regieassistent Roberto Rossellinis aber Filme wie Caligula oder Salon Kitty drehte, wagte er 1966 auch einen Ausflug ins Genre des Italowestern. In Yankee erzählt er die Geschichte eines gleichnamigen Kopfgeldjägers, der sich in die Bande eines gewissen Concho geschlichen hat, um diesem den Garaus zu machen. Dabei löscht er nicht nur das Lebenslicht eines nach dem anderen in der Bande aus, sondern wirft auch ein Auge auf Conchos Frau Rosita.

Brass' Filmen ist allen ein ungeheures Faible für Dekor und Ausstattung anzusehen. So auch bei Yankee, ein Fest fürs Auge, ein Avantgarde-Western, der aus den üblichen Genrestandards heraus sticht. Mit Philippe Leroy und Adolfo Celi (Der Tod des Paten) hervorragend besetzt, entstand ein Italowestern, der in seiner Machart seinesgleichen sucht und 93 Minuten lang „filmische“ Unterhaltung bietet. Die DVD Umsetzung steht dem Film in nichts nach, bis auf das leicht rauschende Bild gibt es hier nichts auszusetzen. Die DVD bietet neben der deutschen auch die italienische Originalsprachfassung sowie eine umfangreiche Bildergalerie und zwei Trailer als Bonusmaterial. 

Italien, 1966
Laufzeit: 93:23 Minuten
Darsteller: Philippe Leroy, Adolfo Celi, Frandcisco Sanz, Tomás Torres, Franco De Rosa, u.a.
Musik: Nini Rosso
Regie: Tinto Brass 

 

DER TOD SAGT AMEN 

Sergio Martino ist eigentlich bekannt für seine „Gialli“, eine Sonderform des italienischen Thrillers, und wurde dementsprechend auch schon bei Koch Media mit der Veröffentlichung seines superben „Der Killer von Wien“ (im Original noch mysteriöser als Lo strano vizio della signora Wardh betitelt) gewürdigt. Vor dem ebengenannten Film entstand Der Tod sagt Amen, Martinos erster Beitrag im Italowesterngenre, der in Deutschland auch unter dem Titel An den Galgen, Hombre in die Kinos kam. In der Hauptrolle brilliert Anthony Steffen, ein vielbeschäftigter Westerndarsteller, der bereits als Django, Sabata oder Ringo den Colt schwingen durfte. Diesmal schießt er sich als Arizona den Weg frei. Mit seinem Kumpanen Zwei-Flaschen Whiskey (Roberto Carmardiel) ist er als Postkutschenräuber unterwegs und wird von skrupellosen Kopfgeldjägern sowie einer Bande, die sie gemeinsam einst betrogen haben, gejagt.

„Versprich kein Gold, Chico, versprich lieber Särge“ – so verhöhnt Held Arizona seinen Gegenspieler. Sergio Martino schöpft bereits bei diesem Film aus dem Vollen und präsentiert einen der letzten „harten“ Italowestern. Denn Anfang der 70er Jahre war das Genre vom Hang zur Comedy geprägt. Martinos Filme sind allesamt Kommerzprodukte, aber deswegen nicht weniger kreativ. Hier wirkt nichts einfach heruntergekurbelt, alles ist an seinem Platz und erscheint zur richtigen Zeit. Das unterscheidet sein Werk auch von dem anderer Fließbandregisseure (Martino ist selbst heute noch aktiv) und sicherte ihm auch entsprechenden Erfolg. Er sollte erst 1977 wieder zum Italowestern zurückfinden und ihm mit Mannaja – Beil des Todes ein imposantes Spätwerk bescheren.

Nummer drei der Italowestern Collection kann qualitativ nicht ganz mit den ersten beiden Veröffentlichungen mithalten, was vor allem am sehr weichen Bild liegt. Zudem scheint die DVD aus verschiedenen Quellen gemastert zu sein, Qualitätsunterschiede sind ersichtlich. Dennoch kann man gemessen am Alter des Films mehr als zufrieden mit der Umsetzung sein, handelt es sich außerdem um die weltweite DVD-Erstveröffentlichung. Der Ton klingt ebenfalls dem Alter angemessen, einige nicht deutsch synchronisierte Szenen liegen im Originalton mit Untertiteln vor. Das Bonusmaterial überzeugt indessen vollkommen: Zwei interessante Interviews mit Regisseur Sergio Martino und Darsteller Dan van Husen (gesamt ca. 40 Min) sowie der deutsche Kinotrailer runden diese Vorstellung ab. 

Italien, 1970
Laufzeit: 87:15 Minuten
Darsteller: Anthony Steffen, Rosalba Neri, Aldo Sambrell, Raf Baldassarre, Luis Barboo, u.a.
Musik: Bruno Nicolai
Regie: Sergio Martino 

 

FAZIT UND AUSBLICK

Auch wenn Regisseur Damiano Damiani den Western für tot erklärt, zählt das Genre doch immer noch zu den lebendigen. Seine Einflüsse auf das moderne Kino sind oft unübersehbar, oft aufdringlich, oft subtil. Für Westernfans sind alle vier Veröffentlichungen mehr als einen Blick wert – die Umsetzung lässt zumeist kaum Wünsche offen, zumal der Preis für die DVDs sehr günstig ist. Alle Interessierten können somit ebenfalls einen Blick wagen.

Dass der Italowestern alles andere als tot ist, beweist diese Kollektion somit allein durch ihre Existenz und der Nachfrage. Lasst uns also weiterhin töten, Amen sagen und kein Erbarmen haben, Yankees – und an Koch Media ergeht der Auftrag, dieses Vorhaben weiter zu verfolgen!


Alle Filme dieser Reihe sind bei Amazon erhältlich:





Verfasser: Florian Widegger, 15.11.2007


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