Rang de Basanti - Die Farbe der Rebellion

 

Originaltitel: Rang de Basanti
Genre: Drama 
Freigabe: FSK 12  
Produktion: IND 2006
Veröffentlichung DVD: 27.10.2006
Anbieter: RapidEyeMovies
Ländercode: 2
Laufzeit: 2:40:28
Regie: Rakesh Omprakash Mehra
Darsteller: Aamir Khan, Siddharth, Sharman Joshi, Kunal Kapoor, Atul Kulkarni, Alice Patten, Soha Ali Khan et al.
Musik: A.R. Rahman
Produzent: Rakesh Omprakash Mehra, David Reed, Ronnie Screwvala
Drehbuch: Rakesh Omprakash Mehra, Renzil D'Silva
EAN: 4260017060688
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INHALT

Dass ein, zweimal im Jahr ein Film eintrifft, der wahrlich exzellent ist, daran gewöhnt man sich mit der Zeit, auf das Gefühlsfeuerwerk, das "Rang de Basanti" aber auf mich losließ, konnte mich nichts in der Welt vorbereiten. Bis jetzt betrachtete ich die Bollywood-Filme, die bei uns erhältlich sind, als zumeist fröhliche und Glück ausstrahlende Wohlfühlfilme, mal in besserer, mal in schlechterer Qualität. Mit diesen überlangen Schmachtstreifen mit ihren Liebesgeschichten und durchchoreographierten Tanzeinlagen hat "Rang de Basanti - Die Farbe der Rebellion" aber kaum mehr was gemeinsam - das ist wahrlich eine neue Dimension des indischen Kinos, die damit angebrochen ist.

Doch alles der Reihe nach, erst einmal die Geschichte erzählen: Die Britin Sue (Alice Patten) plant, einen Film über die frühe indische Widerstandsbewegung zu drehen, basierend auf dem Tagebuch ihres Großvaters James McKinley, der als britischer Offizier dieselbe selbst erlebt und bekämpft hatte. Doch die Produktionsfirma streicht das Projekt aus Einsparungsgründen, wovon sich Sue aber nicht abhalten lässt - schließlich stecken Jahre der Vorbereitung in ihrem Film. Kurzerhand reist sie also auf eigene Faust ab nach Indien, wo sie schon von Freundin Sonia (Soha Ali Khan) erwartet wird. Einmal in Indien erweist sich die Suche nach (Laien-) Darstellern als sehr schwierig, entweder haben die jungen Leute kein Talent oder sie können sich mit dem alten Stoff im Drehbuch nicht anfreunden und finden ihn vollkommen veraltet sowie ganz und gar uncool - sogar Witze über die eigenen Landeshelden werden gerissen. Eines feucht-fröhlichen Abends jedoch findet sie in einer Studentenclique ihre perfekte Besetzung - die Gesichter der Studenten verwandeln sich vor ihren Augen in die der Freiheitskämpfer. Karan (Siddharth), Sukhi (Sharman Joshi), Aslam (Kunal Kapoor), Laxman Pandey (Atul Kulkarni) und DJ (Aamir Khan) lassen sich zwar auf das Abenteuer ein, können mit den Figuren der Geschichte aber auch nichts anfangen, ihrer Meinung nach ist Indien verloren und die meisten haben vor, nach Abschluss des Studiums das Land zu verlassen. Nach und nach jedoch beginnen sie sich mit dem Stoff anzufreunden und erkennen die Bedeutung der Geschichte - von da an bessern sich auch ihre darstellerischen Leistungen und der Dreh geht zügig voran - wobei auch der Spaß in der nun fest zusammengeschweißten Gruppe nicht zu kurz kommt. Nach Abschluss der Dreharbeiten jedoch geschieht ein Unglück, einer aus der Gruppe kommt durch einen furchtbaren Unfall ums Leben, der indirekt durch die Korruption des Verteidigungsministers ausgelöst wurde (ich bin hier bewusst sparsam mit Details). Das jedoch ändert die Mentalität der jungen Leute schlagartig, sie erkennen, dass etwas am Land getan und geändert werden muss - eine Entscheidung, die sie in genau die Rollen drängt, welche sie zuerst im Film verkörpert haben...

Rakesh Omprakash Mehras Film ist aufrührend, erschütternd und rührend zugleich, mit einer sehr prägnanten Grundaussage: Die Jugend soll nicht faul herumliegen und alles hinnehmen, nur um sich nach der Ausbildung vom Heimatland abzuwenden - sie soll sich engagieren, ihre Kraft und Dynamik einsetzen, um das zu verbessern, was optimierungswürdig ist, um eine bessere Situation für alle herbeizuführen, oder, noch knapper: engagieren, nicht resignieren! Diese Aussage ist universal gültig, sie gilt für indische Jugendliche genauso wie für alle anderen jungen Menschen dieser Welt - kein Land ist perfekt, es gibt überall was zu tun. Alleine deshalb schon bin ich erstaunt (ohne jemandem nahe treten zu wollen), wie viele westliche Kritiker diesen Film als patriotisches, überzeichnetes Kino falsch interpretierten und den Kern nicht erkannten, manche verweigerten sogar eine Beurteilung, weil ihnen die Situation fremd ist - nur weil ein Film als Zielgruppe die Menschen eines bestimmten Landes anspricht, heißt das noch lange nicht, dass die Botschaft des Streifens auch nur für diese gültig ist. Aber gut, ich will ja nicht Kollegen kritisieren, jedem seine Meinung. Nun aber genug der Ausschweifungen, endlich ab zum eigentlichen Film:
Stichwort: Charakterentwicklung. Mehra stellt seine Figuren am Anfang für den Zuseher bewusst unzugänglich dar, als unnütze, sich betrinkende Studenten, die nichts anderes im Sinn haben als ihre eigenen Freiheiten und... Frauen. Mit der Zeit wandeln sich diese, und werden mit ihrer Transformation dem Publikum zugänglicher, durch die ihnen zustoßenden Geschehnisse kann man so die Beweggründe nachvollziehen, die aus passiven Menschen engagierte Aktivisten machen, besonders der finale Wandel, ausgelöst durch den unnötigen und verhinderbaren Tod ihres Freundes fährt tief in die Knochen. Stichwort: Stil. "Rang de Basanti" spielt nicht nur in der Gegenwart, sondern auch die Freiheitskämpfer der Vergangenheit werden, eingehüllt in Sepiatöne, thematisiert, so wird der Film zu Beginn gleich mit dem Tod derselben eröffnet. Mit zunehmender Laufzeit werden die Parallelen immer offensichtlicher, in schneller Folge wechselt der Film zwischen Bildern aus der Vergangenheit und denen der Gegenwart bis hin zum Showdown, bei welchem in Parallelmontagen die verschiedenen Zeitebenen ineinander verschmelzen. Von der cinematographischen Seite her bleibt der Film zumeist klassisch, ohne große Experimente in der Kameraführung und im Bildaufbau durchzuführen, was aber kein Nachteil ist, denn eine zu abgehobene Inszenierung würde nur ablenkend wirken. Dennoch aber bietet der Film neben wunderbaren Bildern und einigen stilistischen Eigenheiten auch etliche atemberaubende Sequenzen und Kamerafahrten, die in sich passend und rund wirken. Stichwort: Gewalt. Von vielen Seiten wird kritisiert, dass der Film Gewalt verherrlicht, beziehungsweise eine viel zu bequeme Lösung parat hält und Mord kein Mittel sei, um Probleme zu lösen. Genau das thematisiert Rakesh Omprakash Mehra aber auch, er stellt die Gewalt im Film nicht als ultimative Lösung des Problems dar, ganz im Gegenteil, diese mündet nur in noch mehr Problemen. Dennoch aber bewirken Mord und Totschlag etwas: ein Aufwachen, ein Aufrütteln, sich einmal genauere Gedanken über die Geschehnisse zu machen - manchmal braucht es extreme Mittel um in unserer (und auch der indischen) reizüberfluteten Gesellschaft etwas zu bewirken. Zudem sollte man keinen Zuseher für so naiv halten, das, was der Film auf der Leinwand zelebriert 1:1 in die Realität zu übertragen, vielmehr soll er sich die unterschwelligen Botschaften in jeder Szene zu Herzen nehmen und einmal, wenn die durch den Film ausgelösten Emotionen abgeklungen sind, in Ruhe durchdenken. Stichwort: Songs. Wer schon einmal indische Filme gesehen hat, kennt sie, die Tanzchoreographien, die in die Filme eingewebt werden. Auf diese klassischen Songs wurde in "Rang de Basanti" verzichtet, die Lieder spielen im Off und erreichen dadurch ungeahnte Wirkungen. So inszenierte Mehra etwa eine Szene, in der eine friedliche Sitzdemonstration von Polizisten gewaltsam und blutig aufgelöst wird nicht etwa mit der normalen Geräuschkulisse, mit Schreien und Hilferufen, nein, ihm genügt als Untermalung der Song "Khoon Chala", nur dezent im Hintergrund ist der Tumult zu hören. Diese Passage im Film ist derartig emotional und ergreifend dargestellt, dass dem Zuseher, wenn er den Song losgelöst vom Film hört, immer noch ein kalter Schauer bis tief in die Knochen fährt, derart perfekt wurden bis jetzt nur wenige Musikstücke in Filmen eingesetzt. Stichwort: Darsteller. Obwohl einige von ihnen (ganz besonders Aamir Khan mit gut 40 Jahren) schon lange die Jugendzeit hinter sich gelassen haben, können sie allesamt in ihren Rollen als sich von einfachen Jugendlichen zu Rebellen wandelnden Studenten sehr wohl überzeugen, die Emotionen und Gefühle kommen glaubhaft beim Zuseher an. Ganz große Leistungen findet man im Film zwar nicht vor, sie sind aber allesamt mehr als ausreichend.
Stichwort: Fazit. Für diesen Film kann es kein anderes Urteil als die verdiente Höchstwertung geben. Rakesh Omprakash Mehra gelang mit "Rang de Basanti" eine emotionale und visuelle Achterbahnfahrt, perfekt durchinszeniert und so packend, dass die 160 Minuten wie im Flug vergehen - nicht, ohne ein paar ehrliche Tränen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ein Film, der sich sowohl mit der Vergangenheit Indiens als auch mit der Gegenwart und den Problemen des Landes auseinandersetzt, dessen prägnante und wichtige Grundbotschaft, die Jugend solle sich engagieren und ihre Energie zum Wohle aller einsetzen, aber universell für alle Gesellschaften gültig ist. Sicherlich, in seiner Ausführung mag der Film übertreiben und man sollte als Zuseher nicht so naiv sein, ihn als Handlungsanleitung zu verstehen, aber genau in dieser Übertreibung, dieser unfassbaren Potenz der Emotionen liegt die Kraft des Streifens. Ein Meisterwerk nicht nur der neuen Ära des indischen Kinos sondern auch des Weltkinos allgemein - diesen Film muss man gesehen, diese Wucht muss man am eigenen Leibe gespürt haben.

 

Störendes/auffälliges Product-Placement: NEIN

Sehenswertes in/nach den Credits: NEIN

Zielgruppe: Kunstkino 0% - Mainstream 100%

Wertung Film:
Wiederabspielwert:


BILD

Format: 2,35:1 - 16:9 
Originalformat: JA
System: PAL 
Bemerkungen: Auf die Lobhymnen folgt die Ernüchterung, denn das Bild von "Rang de Basanti" ist zwar alles andere als schlecht, ein solches filmisches Meisterwerk hätte aber auch mehr in dieser technischen Disziplin verdient. Schon beim Vorspann fällt ein unruhiger Bildstand auf, das Bild zuckelt immer regelmäßig von links nach rechts hin und her. Auch sonst ist der Eindruck eher zwiespältig:
Die Farben im Film sind in den Vintage-Sequenzen bewusst sepiafarben und hart kontrastiert ausgefallen, in den Szenen der Gegenwart sind diese allerdings mal kräftig, natürlich, mal blass und ohne Kraft. Auch Kontrast und Schwarzwert schwanken hier: mal ist alles perfekt, mal werden in den Schatten Details verschluckt, an anderen Stellen ist das Bild zu hell mit überstrahlenden weißen Flächen, zumeist überwiegt aber doch ein positiver Eindruck. Auch die Schärfe schwankt etwas, die meiste Zeit über ist der progressiv vorliegende Transfer zwar leicht weich, aber mit guter Detailzeichnung versehen, einige Szenen bieten aber auch porentiefe Einblicke ins Geschehen. Rauschen hält sich stets im Hintergrund, Defekte fallen stellenweise leicht in Form von durchs Bild huschenden Härchen auf. Kritik muss REM auch bei der Kompression einstecken: Auf die DVD wurden nämlich die Songs als Bonusfeature einmal alle einzeln und einmal als Zusammenschnitt gebannt, was gut 20 Minuten an vergeudetem Platz bedeutet. Und, wenn wir schon bei vergeudetem Platz sind: Auf der Scheibe wären noch gut 300MB frei gewesen. Dies hat natürlich Auswirkungen bei der Bitrate des Hauptfilmes, besonders bei Szenen mit vielen Details und starken Bewegungen lassen sich so (Gott sei Dank meistens nur leichte) Kompressionsartefakte ausmachen, die ruhigen Szenen sind recht gut ausgefallen. Insgesamt ein gutes Bild, das dem Film allerdings nicht gerecht wird.

UPDATE: Wir verglichen die deutsche DVD mit der Scheibe von UTV - das Ergebnis findet ihr hier im Forum
Wertung Bild: 70%

TON

Sprachen/Format(e):

Dolby Digital - Spuren

DTS - Spuren:

PCM - Spuren:

Deutsch 5.1 - 384kbit
Hindi 5.1 - 384kbit

keine

keine

Untertitel: Deutsch (2x: nur Songs/komplett untertitelt)
Bemerkungen: Wo das Bild etwas enttäuscht, brilliert der Ton, zumindest im Original: Ein extravagantes Bassfundament bringt das Heimkino zum Schwingen, darauf bauen feine, direktionale Effekte und eine sehr gute Sprachverständlichkeit auf. Die Musik ist sehr präsent und stark abgemischt, auch die hinteren Lautsprecher werden gut ins Geschehen eingebunden. Eigentlich hätte diese Abmischung 90% verdient, aber der deutsche Ton zieht die Wertung mit 70% nach unten: Dieser ist deutlich flacher ausgefallen, man vermisst die Kraft und Dynamik des O-Tones, ein beherzter Griff zur Einzelkanalregelung des Subwoofers kann dies nur teilweise ausgleichen, denn auch die Mitten sind etwas unterbesetzt. Insgesamt kann man hier nur eine klare Empfehlung zum O-Ton mit Untertiteln aussprechen.
Wertung Ton: 80%

AUSSTATTUNG

Anzahl DVDs: 1
Verpackung: Digipak
Menüs: statisch, mit Musik hinterlegt
Bemerkungen: Verpackungstechnisch präsentiert REM den Film im gewohnten Digipak mit Schuber und auch das gewohnte Poster fehlt nicht. Auf der DVD finden sich als Extras die Songs, einmal einzeln, einmal als Zusammenschnitt und der Kinotrailer. Weiters gibt es knapp 5 Minuten an deleted scenes, die aber keine weltbewegenden Zusatzszenen darstellen und ein 22-minütiges Making-Of. Letzteres besteht aus Interviews mit verschiedenen Beteiligten und Szenen aus dem Film, bei denen sich die Personen gegenseitig (zu Recht) loben - wahnsinnig viele Informationen kann man dem Special leider nicht entnehmen.
Wertung Ausstattung: 40%

Fazit

Das Bild enttäuscht etwas für einen so großen Film, der Ton ist im Original grandios und über das promohafte Making-Of tröstet der geringe Preis hinweg. Die Grundaussage von "Rang de Basanti" lautet "Leute, hebt eure Ärsche und unternehmt was!" - meine Aussage lautet "Leute, hebt eure Ärsche und holt euch diese Scheibe - trotz kleinerer Mängel!"


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AWARDS


Glasklare Filmempfehlung. Punkt.


Verantwortlicher Redakteur: Klaus Doblmann  Rezensionsdatum: 24.10.2006

Infos zum Testverfahren

Alle verwendeten Bilder etc. copyright REM!
Diese Test-DVD wurde uns dankenswerterweise von REM zur Verfügung gestellt

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