SommerHundeSöhne

 

Originaltitel: SommerHundeSöhne
Genre: Roadmovie 
Freigabe: FSK   
Produktion: D/2004
Veröffentlichung DVD: 24.08.2006
Publisher: epiX
Ländercode: 2
Laufzeit: 1:34:23
Regie: Cyril Tuschi
Darsteller: Fabian Busch, Stipe Erceg, Lilja Loeffler, Martin Claussen
Musik: diverse
Produzent: Nicholas Conradt, Cyril Tuschi
Drehbuch: Ole Ortmann, Cyril Tuschi
EAN: 4009750219706
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INHALT

Frank (Fabian Busch), ein Mamabuberl wie es im Buche steht, wartet in Vaters Wohnwagen im Fahrersitz auf die Rückkehr von Mutter und Onkel aus dem Möbelmarkt. Gedankenverloren dreht er am Zündschlüssel und schon ist es geschehen: Der Wagen hüpft ein paar Meter, genug, um das Motorrad von Obermacho Marc (Stipe Erceg) unter sich zu begraben. Dieser dreht fast durch, aber die beiden finden eine Lösung für die Situation: Kurzerhand kommandiert Marc den zu Tode erschrockenen Frank dazu, das Motorrad einzupacken und mit dem Wohnmobil eine Werkstatt aufzusuchen. In weiterer Folge stellt sich heraus, dass die Werkstatt in Frankreich liegt, dort angekommen soll aber noch nicht Schluss sein: Marc offenbart Frank, dass er nach Marokko zu seinem todkranken Vater unterwegs ist und er will mit dem Wohnwagen hin. Ohne eine wirkliche Wahl zu haben, willigt Frank ein und für die beiden beginnt ein langer und ereignisreicher Trip, bei dem sie unterwegs auch noch die schöne Ilvy (Lilja Loeffler) und den "Finder" Pauli (Martin Claussen) auflesen...

"Der Weg ist das Ziel" - noch nie passte dieser alte und oft gebrauchte Spruch mehr als für Cyril Tuschis Regiedebüt. Nicht nur der Weg der Figuren ist skurril, sondern auch der Film selbst bewegt sich weit außerhalb gewohnter Genrekonventionen. "SommerHundeSöhne" ist eine Momentaufnahme eines Bruchstückes des Lebens der Charaktere, bei dem weniger klare Strukturen und ein Ziel denn die Erlebnisse und das Handeln hier und jetzt eine Rolle spielen. Und so erleben die Charaktere auf ihrem Trip zahlreiche höchst unrealistische, unwirkliche und surreale Situationen. Wenn die beiden Hauptfiguren betrunken in Spanien von einem Mäuerchen springen und auf einem Flughafen landen und sich ein paar Sekunden darauf die Szenerie in eine Wüste verwandelt, dann nimmt man als Zuseher an, dass es sich um eine Deliriumssequenz der Personen handelt. Wenn die Handlung dann aber in der Wüste ihre Fortsetzung findet und die scheinbare Traumsequenz auch nach 10 Minuten noch keine Auflösung gefunden hat, darf man sich sehr wohl mal kurz die Frage stellen, was zur Hölle hier eigentlich los ist. An solchen Stellen weist der Film über Brüche auf, die in dieser Härte vielleicht nicht ganz intendiert sind. Es ist schön und gut, neu zu denken und Konventionen hinter sich zu lassen, allerdings sollte man als Filmemacher die Wirkung vorher genau bedenken, denn wenn der Zuseher 10 Minuten über den Bruch nachgrübelt und der aktuellen Handlung nur mit halbem Ohr folgt, wird die gewollte Wirkung nicht erreicht. Abgesehen von diesen kleinen Ungereimtheiten, die der Film als die natürlichste Sache der Welt abstempelt, kann der Streifen aber durchaus überzeugen, denn besonders die Charaktere sind dessen stärkste Elemente: Fabian Busch als infantiler, von Neurosen geplagter und vollkommen unselbständiger Frank, der im Laufe der Reise an Erfahrung gewinnt und das Leben wohl zum ersten Mal so richtig als freier Mensch genießen kann brilliert ebenso in seiner Rolle wie auch Stipe Erceg im Part des abgebrühten, nur an sich selbst denkenden Marc, der mit der Zeit aber auch mehr Gefühle zeigt und selbst eine Wandlung erfährt. Nicht vergessen sollte man Lilja Loeffler als geheimnisvolle Ilvy, bei der man nie so genau weiß, was sie eigentlich will und wo sie herkommt und Martin Claussen als kauzigen Pauli, der Fundstücke (zerbrochene Lupen, Handies...) sammelt. Regisseur Cyril Tuschi merkt man seine Herkunft als Werbefilmer an: Poppige Farben, hochstilistische Bilder, die aber keine tiefere Bedeutung bergen und die surrealen Szenen gehören zu seinem Handwerkszeug, das die beiden Hauptdarsteller auf der Suche nach ihren Vätern begleitet, eine Suche, die mehr aus eigenständigen Einzelsituationen denn einem abgeschlossenen und runden Ganzen besteht.
Insgesamt ist "SommerHundeSöhne" ein ebenso abgefahrenes wie gelungenes Regiedebüt bei dem weniger die skurrile und abgedrehte Handlung zählt als die Einzelerfahrungen, die gemeinsamen Erlebnisse und die Reifung sowie das Zusammenspiel der Charaktere auf dem ungewissen Pfad des Lebens. Der Film bietet keine Erkenntnisbereicherung und am Ende weiß man in etwas so viel wie am Anfang, dennoch hat man als Zuseher das wohlige Gefühl, eineinhalb Stunden gut und auf eine erfrischend ungewohnte Weise unterhalten worden zu sein - genau darauf kommt es an.

 

Störendes/auffälliges Product-Placement: JA

Sehenswertes in/nach den Credits: JA

Wertung Film:


BILD

Format: 1,85:1 - 4:3 
System: PAL 
Bemerkungen: Dafür, dass der Film digital gedreht wurde, sieht das Bild sehr gut aus: Bunte, knallige Farben dominieren, Kontrast und Schwarzwert können überzeugen, wenngleich auch sich der gegenüber Film geringere Kontrastumfang stellenweise in überstrahlenden hellen Flächen und dunklen Bereichen mit etwas zu wenig Zeichnung äußert. Die Schärfe ist angenehm, hätte durch ein anamorphes Bild aber nochmals gesteigert werden können. Rauschen begleitet den Film in den meisten Situationen, fällt aber nur selten störend auf, unter den Fehlern ist nur ein manchmal auftretendes Aliasing zu verzeichnen.  
Wertung Bild: 70%

TON

Sprachen/Format(e):

Dolby Digital - Spuren

DTS - Spuren:

PCM - Spuren:

Deutsch 2.0SR - 192kbit
Audiokommentar 2.0 - 192 kbit

keine

keine

Untertitel: Englisch
Bemerkungen: Der Ton des Streifens ist durchaus solide mit angenehmer Stimm- und Musikwiedergabe ohne größere Probleme. In manchen Passagen und in den Musikstücken dürfen auch die hinteren Lautsprecher mitreden, ansonsten haben sie, wie auch der Subwoofer, eher wenig Arbeit. Insgesamt ein unspektakulärer Mix, der seine Arbeit solide verrichtet. 
Wertung Ton: 60%

AUSSTATTUNG

Anzahl DVD'S: 1
Verpackung: KeepCase
Bemerkungen: Bei den Specials holt epiX zum Rundumschlag aus: Ein interessanter Audiokommentar bietet einige Hintergrund- und Verständnisinfos zum Film, auch das Making-Of mit einer Laufzeit von gut 45 Minuten hat den Namen verdient, da man viele Infos über die Produktion erhält. Des weiteren gibt es eine gute Stunde (!) an deleted Scenes mit Kommentar des Regisseurs sowie eine Fotogalerie und Bio/Filmografien. Abgerundet wird das stimmige Paket durch die übliche epiX-Trailershow.
Wertung Ausstattung: 80%

Fazit

Ein stilistisch abgefahrenes Roadmovie, das ganz alleine von seinen exzellent gespielten Charakteren und vielen mehr oder weniger abgeschlossenen Einzelsituationen lebt. Technisch ist alles in bester Ordnung, das Bonusmaterial ist üppig und informativ, wer mit experimentellen Filmen etwas anfangen kann, darf gerne zugreifen.


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Verantwortlicher Redakteur: Klaus Doblmann  Rezensionsdatum: 21.08.2006

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Diese Test-DVD wurde uns dankenswerterweise von epiX zur Verfügung gestellt

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