DVD-Cover:

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Wer seinen nächsten hasst, niederkniet und Staub frisst, braucht keine Kreuze mehr im blutigen Sand

Wie die Überschrift schon vermuten lässt – es ist wieder Italowesternzeit und Koch Media hat erneut drei Genreperlen ausgegraben und auf DVD veröffentlicht. War die vorherige Staffel noch mit echten Klassikern bestückt, enttäuschen die Nummern 16, 17 und 18 der Italowestern Collection allerdings ziemlich.

Knie nieder und friss Staub
Aldo Florio ist selbst unter Kennern des italienischen Genrefilms nicht unbedingt ein geläufiger Name. Als Regisseur war er lediglich für eine handvoll Filme verantwortlich, die beiden Western „Die unerbittlichen Fünf“ und eben dieser hier, dürften noch zu seinen bekanntesten Werken zählen. Ulrich P. Bruckner urteilt in seinem Italowesternlexikon enthusiastisch: „Dieser ziemlich unbekannte Film zählt sicherlich zu den besten, spannendsten, ergreifendsten und brutalsten Italo-Western jener Zeit“. Treffender wäre allerdings die Bezeichnung „mittelmäßigst“. „Knie nieder und friss Staub“ entstand 1971, als der Italowestern bereits im Begriff war, abzuflauen oder in Richtung Comedy driftete. Aldo Florio präsentiert allerdings einen Vertreter „alter Schule“ – auch eine Hommage an Sergio Leones Dollar Trilogie. Unspektakulär jedoch die Story, in der ein entflohener Strafgefangener (Fabio Testi) in einem Goldgräbernest unterkommt, in dem die Minenarbeiter skrupellosen Großgrundbesitzern und Banditen unterdrückt werden. Klar, dass Testi die Parteien gegeneinander ausspielt…
Florio spart in seinem Film nicht an Sex und expliziter Gewalt, sehr wohl aber an Überraschungen und eigenständigen Ideen. Das Drehbuch ist löchrig als wäre es von Testis Revolver durchsiebt worden und lediglich die Musik von Bruno Nicolai beschwört alte Tugenden herauf (wie sie es aber in zig anderen Filmen ebenfalls tat). „Knie nieder und friss Staub“ ist somit kein Meisterwerk, er ist aber auch nicht so schlecht, dass er schon wieder Spaß machen würde, wie die Fidani Filme. Er ist schlicht und ergreifend unspektakulär, geradeheraus und vorhersehbar. Und beweist, dass Fabio Testi – obwohl er von Genrekinofans verehrt wird – halt auch nicht unbedingt der größte Charakterdarsteller ist. Wem das genügt, der kann sich Aldo Florios „bestes Werk“ (Klappentext) durchaus zu Gemüte führen.

Django – Kreuze im blutigen Sand
Django – Der Name ist Programm: Nachdem praktisch jeder zweite in deutschen Landen veröffentlichte Italowestern den Zusatznamen „Django“ bekam, ging es auch „Cjamango“ (sprich: „Tschamango“) nicht anders oder besser. Dennoch erlangte der Film unter Italowesternfans und Genrekennern wie Christian Kessler gewissen Kultstatus. Auch hier stellt sich mir wieder die Frage: Warum eigentlich?
Django gewinnt beim Pokerspielen zwei Beuteltaschen voller Gold, die ihm die Bande von El Tigre und Don Pablo wieder abnehmen. Also schwört Django Rache und – welch Überraschung – spielt die beiden Gauner gegeneinander aus um sich sein Gold zurückzuholen.
Auch hier ist soweit alles beim alten, wäre da nicht Rainer Brandts abenteuerliche deutsche Synchronisation, die den Film um ein paar Kalauer reicher macht. Ivan Rassimov in der Titelrolle ist selbstverständlich für Exploitationfreunde ein weiteres Argument. Der in Triest geborene Schauspieler mit den stechenden Augen hat immerhin „Genreklassiker“ von Mario Bava, Ruggero Deodato, Umberto Lenzi, Joe D’Amato und Sergio Martino (und somit hätten wir fast alle „großen“ Genrefilmemacher der 70er durch) mit seiner Präsenz veredelt. Als Darsteller in Thrillern oder durchgeknallter Sektenanführer macht Rassimov allerdings eine bessere Figur als in seinen Westernauftritten. In Nebenrollen sind bekannte Gesichter wie Mickey Hargitay (zweiter von drei Ehemännern von Jayne Mansfield), Piero Lulli („Mein Name ist Nobody“) oder Livio Lorenzon („Zwei glorreiche Halunken“) zu sehen.
Regisseur Edoardo Mulargia war fleißiger Erzeuger von Western und Gialloware – sein vielleicht schönster Film, der mysteriöse „Inferno unter heißer Sonne“ ist leider immer noch nicht auf DVD erschienen.
Die spannendste Geschichte zum Film offeriert aber das Interview mit Filmhistoriker Antonio Bruschini auf der DVD: Giusva Fioravanti, hier als eher nervtötender Kinderdarsteller zu sehen, wurde später neofaschistischer Terrorist und u.a. für die Bombenanschläge in Bologna zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Hasse deinen Nächsten
Last but not least, die Nummer 18 in der Italowestern Collection. Sie wartet mit hübsch gezeichnetem Cover auf, George Eastman mit der Krallenhand – wie ein wilder Stier in der Arena. Und tatsächlich ist diese Form der Gladiatorenkämpfe, zu denen die Cowboys in diesem Film antreten müssen, das, was den Film von allen anderen Western abheben lässt. Nun darf man aber berechtigterweise sagen, dass das allein nicht viel ist.
Ferdinando Baldi, der produktivste unter den drei diesmal vorgestellten Filmemachern, war ein Hansdampf in allen Gassen, der schon in den 50er Jahren Sandalenfilme inszenierte, später Western, noch später eine Verfilmung des „Wilden Korsar“ – Stoffes, Komödien, Gialli und ganz zum Schluss übelsten Actiontrash. Mittendrin, 1980 um genau zu sein, folgt sein magum opus „Horror-Sex im Nachtexpress“ (a) nicht zu verwechseln mit Aldo Lados „Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien“, der ebenfalls im Zug spielt; b) demnächst von Camera Obscura auf DVD erhältlich).
Baldis Filme zeichnen sich nie durch besondere Glanzleistungen aus, auch „Hasse deinen Nächsten“ macht da keine Ausnahme. Die Story (es geht diesmal um die Jagd nach einem vergrabenen Goldschatz) plätschert träge vor sich hin, Luigi Montefiori (alias George Eastman) gibt den grimmigen Bösewicht Gary, Horst Frank hingegen den noch fieseren Banker Malone und Spiros Focás (alias Clyde Garner) den rechtschaffenen Ken, dessen Bruder von Gary ermordet wird. Der griechische Darsteller Spiros Focás ist auch heute noch im griechischen Fernsehen aktiv und war in den 70ern und 80ern in cineastischen „Großtaten“ von „Shaft in Africa“ bis „Rambo III“ zu sehen.
Hasse deinen Nächsten“ ist demnach nur ein Film für Komplettisten und Italowestern-Allesgucker.


Wie immer bieten die Koch Media DVDs bestmögliche Bild- und Tonqualität, was bei „Django – Kreuze im blutigen Sand“ leider nicht so viel ist, wie bei den anderen beiden Titeln. Der Mulargia Film scheint nicht gerade bestens gealtert zu sein und somit kann die technische Qualität hier nicht ganz mit denen der anderen beiden Titeln mithalten. Bonusmaterial gibt es auch diesmal wieder in Form von informativen Featurettes im 30-Minuten-Bereich, in denen Beteiligte und Filmhistoriker gleichermaßen zu Wort kommen. Es tut gut zu wissen, dass mittlerweile zumindest in Italien seriös mit dem Genrekino umgegangen wird. Trailer und Bildergalerien runden die gelungene Gesamtvorstellung ab. Für die nächsten „Staffel“ bleibt allerdings zu hoffen, dass wieder ein paar Knallertitel dabei sind.



Infos zu den DVDs:
Knie nieder und friss Staub

Originaltitel: Anda Muchacho, Spara!
EAN Code: 4020628959098
Genre: Western
Freigabe: FSK 16
Veröffentlichung Kauf-DVD: 26.06.2009
Veröffentlichung Leih-DVD:
Produktionsland: Spanien | Italien
Produktionsjahr: 1971
Label: Koch Media
Ländercode: 2
Laufzeit: 99:02 Minuten
Darsteller: Fabio Testi, Eduardo Fajardo, José Calvo u.a.
Regie: Aldo Florio

Django - Kreuze im blutigen Sand

Originaltitel: Cjamango
EAN Code: 4020628959081
Genre: Western
Freigabe: FSK 16
Veröffentlichung Kauf-DVD: 26.06.2009
Veröffentlichung Leih-DVD:
Produktionsland: Italien
Produktionsjahr: 1967
Label: Koch Media
Ländercode: 2
Laufzeit: 82:33 Minuten
Darsteller: Ivan Rassimov, Mickey Hargitay, Ignazio Spalla u.a.
Regie: Edoardo Mulargia

Hasse deinen Nächsten

Originaltitel: Odia il Prossimo tuo
EAN Code: 4020628959074
Genre: Western
Freigabe: FSK 16
Veröffentlichung Kauf-DVD: 26.06.2009
Veröffentlichung Leih-DVD:
Produktionsland: Italien
Produktionsjahr: 1968
Label: Koch Media
Ländercode: 2
Laufzeit: 85:46 Minuten
Darsteller: George Eastman, Horst Frank, Nicoletta Machiavelli u.a.
Regie: Ferdinando Baldi


Alle Filme dieser Reihe sind bei Amazon erhältlich:





Verfasser: Florian Widegger, 13.10.2009

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