
Indiana Jones und das Königreich des
Kristallschädels
(Indiana Jones and
the Kingdom of the Crystal Skull)

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Karen
Allen...
Drehbuch: David Koepp
Produzenten: Frank Marshall
Musik: John Williams
Länge: 124 min.
Freigabe: DE: FSK 12
Genre: Action, Abenteuer
Produktion: USA - 2008
Kinostart: 22.05.08
Verleih: Universal Pictures
Infos bei IMDB
Infos bei
OFDB
A
Country for Old Men
Indiana Jones, der Mann mit Peitsche
und Schlapphut ist wieder da. Lange hat es gedauert (19 Jahre) –
nun packt ihn wieder die Abenteuerlust und er zieht in den Kampf.
Diesmal nicht gegen böse Nazischergen, nein, der Film setzt 1958
ein. Und da infiltriert gerade eine russische Kleinarmee eine
Militärbasis mitten in Nevada. Mit dabei, der gefangene Henry
„Indiana“ Jones sowie dessen Kumpel George McHale. Der entpuppt
sich nur allzu schnell als Verräter, doch das As unter den
Archäologen wird unter russischem Dauerfeuer auch dieser
Situation Herr. Selbst als er sich wenig später auf einem
Testgelände für Atomversuche wieder findet, entkommt er der
bombastischen Explosion und den tödlichen Strahlen rechtzeitig
in einem Kühlschrank versteckt. So kennen und so lieben die Fans
„ihren“ Indy!
19 Jahre sind eine lange Wartezeit und um die Fans nicht zu enttäuschen, folgen Regisseur Steven Spielberg und Produzent George Lucas ihrem Credo „kleckern statt klotzen“. In Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull sind die Explosionen größer, die Russen noch brutaler und Cate Blanchett als Oberbösewicht im Bubischopf und mit bedrohlichem Akzent noch fieser. Doch der Reihe nach: Zurück in New York macht Dr. Jones zunächst Bekanntschaft mit dem FBI, das ihn verdächtigt, den Russen in die Hände gespielt zu haben, später dann mit dem jungen Mutt Williams, den Sohn einer von Indianas alten Liebschaften. Mutt ist ein richtig tougher Sunnyboy, stets um seine Frisur besorgt und auf seinem Motorrad wohl die Inkarnation dessen, was man Ende der 50er als „cool“ bezeichnen hätte können. Schon ihr erstes Zusammentreffen wird von russischen Agenten empfindlich gestört, mit denen sie sich eine rasante Verfolgungsjagd durch die Stadt und allerlei hektische Spielereien liefern. Indiana erkennt den Ernst der Lage und macht sich mit Mutt auf nach Südamerika, wo sie dem Geheimnis einer sagenumwobenen Inkastadt und eines nicht weniger sagenumwobenen Kristallschädels auf die Spur kommen und dabei alte Freunde und Feinde wiedersehen.
"Wenn man einen Film macht, auf
den die Leute sich schon lange vorher freuen, dann werden sie - egal
was du ihnen gibst - enttäuscht sein." – Mit diesem Zitat
versuchte Produzent George Lucas bereits vor wenigen Tagen der teils
vernichtenden Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber
eigentlich hat der neue Indy das nicht nötig. Problematisch ist
die Passage „egal was du ihnen gibst“. Lucas macht es sich damit
zu leicht: Denn es gibt durchaus Passagen im Film, bei denen man
einfach merkt, dass es „egal“ ist, was gerade passiert. Vor allem
im letzten Drittel leistet sich der Film doch einige gröbere
Ausreißer – vom wie Tarzan durch den Dschungel schwingenden
Shia LeBouf (zudem mit unterirdischen CGIs) bis hin zur abstrusen
Ufostory am Ende. Das ist vielleicht Die
unheimliche
Begegnung der dritten Art aber nicht der Indiana Jones, den
wir kennen - und das hätte so nicht sein müssen.
Aber keine Sorge, das „Herz“ des Films bildet auch diesmal nostalgisch angenehme Unterhaltung. Wenngleich Jones diesmal keine denkwürdigen One-Liner in den Mund gelegt wurden, so darf er auch hier wieder sein humoristisches Talent unter Beweis stellen. Agil wie eh und je, und das, obwohl man Ford seine 65 Jahre mittlerweile doch stark ansieht, turnt sich Indiana durch den Kugelhagel der Sowjets und muss im Kampf Mann gegen Mann auch einiges einstecken. Und nicht nur da: Indiana überlebt (mitsamt seinen Begleitern) Angriffe von Indios, Killerameisen und stürzt sogar in einem Auto gleich drei Wasserfälle hinunter, ohne auch nur eine sichtbare Schramme davon zu tragen. DAS sind wahre Helden!
Bis auf die resolute Cate Blanchett als
Irina Spalko verkommt der Rest des Casts eigentlich zu reiner
Staffage, selbst der Versuch, Shia LeBouf als potentiellen Nachfolger
des waghalsigen Archäologen aufzubauen, scheitert an seiner
Halbherzigkeit.
Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull sollte denen zur Freude gereichen, die bereits die „alten” Filme kennen und lieben. Kein anderer wie Steven Spielberg versteht es wohl so gut, seine Zuschauer auf eine temporeiche Achterbahnfahrt mitzunehmen, weil er die Mechaniken, nach denen diese Filme funktionieren, durchschaut und gnadenlos einsetzt. Und wenn am Schluss, wenn die Bösen besiegt sind und die guten überlebt haben, das Titelthema der wie immer bombastischen Musik von John Williams erklingt, wird schnell klar, dass eine rasante, wenig tiefgehende, aber immerhin meist spannende Abenteuergeschichte zu Ende geht und mit ihr die Legende um Indiana Jones. Oder folgt am Ende gar doch Teil fünf?

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