
Nachts im Museum
(Night at the Museum)
Regie: Shawn Levy
Darsteller: Stefán Karl Stefánsson, Ben Stiller, Carla Gugino,
Robin Williams...
Drehbuch: Ben Garant, Thomas Lennon
Produzenten: Michael Barnathan, Chris Columbus, Bob Ducsay, Shawn
Levy
Musik: Alan Silvestri
Länge: 108 min.
Freigabe: FSK: ab 6, Feiertagsfreigabe
Genre: Komödie/Action/Familie/Fantasy
Produktion: USA/2006
Kinostart: DE: 27.12.06 / AT: 28.12.06
Verleih: Centfox
Offizielle HP zum Film und Trailer:
www.nachtsimmuseumderfilm.at
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Wie Bertolt Brecht schon einmal richtig formulierte, gibt es zwei Arten von
Menschen auf dieser Welt: Die einen stehen im Dunkeln, und die anderen im
Lichte. Zu der ersten Gruppe gehört scheinbar Larry Daley (Ben Stiller),
Protagonist in "Nachts im Museum" und seines Zeichens geschiedener
Familienvater. Seine Ex-Frau ist mit einem erfolgreichen Banker zusammen und ihr
gemeinsamer Sohn Nick (Jake Cherry) ist ständig hin- und hergerissen zwischen
den instabilen Lebensumständen seines Vaters und den Sicherheiten, welche ihm
seine Mutter bieten kann. Und so nimmt Larry trotz einiger Bedenken einen Job
als Nachtwächter im Naturhistorischen Museum an. Seine Vorgänger, ein schrilles
Trio älterer Herren (darunter Dick van Dyke und Mickey Rooney), sollen nämlich
durch einen Mann ersetzt werden. Doch schon in der ersten Nacht geschieht etwas
Seltsames: Sämtliche Figuren des Museums erwachen aufgrund einer magischen
Goldplatte im Grabmal des Pharaos zum Leben und wollen kontrolliert werden -
dank der Anleitung, die Larry von seinen Vorgängern erhalten hat, eigentlich
kein Problem, wenn sie nicht von einem kleinen Affen gestibitzt worden wäre.
Larry überlebt zwar die Nacht mit Hilfe der zum Leben erwachten Statue von
Theodore Roosevelt (Robin Williams), will am nächsten Morgen aber sofort
kündigen. Doch es kommt anders - Larry nimmt auch noch für die zweite Nacht an -
und schließlich auch noch eine dritte, in der ihn sein Sohn unterstützt.
Allerdings haben die beiden die Rechnung ohne die drei Ex-Nachtwächter gemacht,
welche die Goldplatte und andere Schätze des Museums stehlen wollen. Eine
Rückholaktion der etwas anderen Art beginnt...
"Nachts im Museum" ist keineswegs ein schlechter Film, sondern ideal für einen
Familienausflug ins Kino. Hier können alle Altersgruppen zusehen, hier bewegt
sich der Humor noch fernab von Fäkaliensprüchen oder schlüpfrigen Anspielungen,
wie wir sie sonst in Filmen mit Ben Stiller leider zu häufig erleben. Das möchte
ich dem Film gleich positiv anrechnen. In "Nachts im Museum" gibt es viel zu
lachen - bezeichnend hierfür eine Szene, in der Larry Attila, den Hunnenkönig,
in bester Siegmund Freud- Manier analysiert. Auch gestaunt darf werden: Ob der
grandios animierte T-Rex, der Larry gleich in der ersten Nacht das Fürchten
lehrt, oder die Miniaturschlachten zwischen Römern und Cowboys, es rührt sich
quasi immer was. Natürlich wird man das Gefühl nicht los, der Film sei nur um
diese Effekte herum konstruiert worden, da er auch hauptsächlich darauf aufbaut,
wenn man sich aber mit diesem Gedanken anfreunden kann, so kann man sich
wirklich ungehindert auf den Film einlassen.
Zu den Performances im Einzelnen: Ich bin kein Ben Stiller Fan und werde es auch
durch diesen Film nicht, aber seine Art hat etwas, das sehr gut zu dieser Rolle
passt. Er macht während des Films nachvollziehbare Wandlungen durch und erkennt
seinen "Platz" in der Geschichte (darum geht es ja schließlich in dem Film).
Farblos bleiben die Kinderdarsteller sowie Carla Gugino als quasi neue Freundin
von Larry (da brauchts dann schon eine Fortsetzung, um das zu klären). Das
Cineastenherz springt jedoch über, wenn es Dick van Dyke in seiner Schurkenrolle
erblickt - wenn man bedenkt, dass seine großen Kinoerfolge "Mary Poppins" und
"Tschitti Tschitti Bäng Bäng" schon fast 40 Jahre zurückliegen und ihn heute
sieht, kann man wahrlich nur feststellen, dass der gute Mr. van Dyke trotz
schütterem weißen Haar nichts von seiner Jugendlichkeit, von seinem
spitzbübischem Charme und von seiner unglaublichen Natürlichkeit - selbst in
"außergewöhnlichen" Situationen - verloren hat. Und wenn er gegen Schluss
diabolisch grinsend auf einer Kutsche durch einen Park in New York reitet, ist
das einer dieser magischen Momente, für die man "Nachts im Museum" einfach
lieben muss. Robin Williams als unglücklich verliebter Präsident Roosevelt
spielt ebenfalls mit einer so großen Wärme und Hingabe, dass man ihn einfach
gerne haben muss.
Technisch gibt es wirklich absolut nichts auszusetzen - die Effekte versetzten
selbst den geprüftesten CGI- Kinogänger noch ins Staunen. Trotz aller
Effekthascherei ist "Nachts im Museum" aber kein Film ohne Herz und gerade die
Meisterung dieser Gratwanderung hat mich ehrlich gesagt am meisten in Staunen
versetzt. Dank der schnörkellosen, eingängigen Inszenierung durch Shawn Levy und
der herrlichen Filmmusik von Alan Silvestri, die zwar nicht unbedingt im
Gedächtnis bleibt, aber den Streifen in seinen emotionalen, lustigen sowie
actionreichen Szenen entsprechend untermalt, bietet der Film auch eine leichte
Achterbahnfahrt der Gefühle - wenn man sich mitreißen lässt: Denn so plakative
und schon oft gehörte Aussagen wie "Geschichte ist lebendig", "Jeder findet
seinen Platz in der Geschichte", "Jeder kann ein Held sein" etc. pp. sind nicht
sonderlich originell. Und böse Zungen könnten behaupten, es geht in dem Film ja
nur um ein paar Leute, die unrealistische Dinge in einem Museum erleben - wie
langweilig und substanzlos. Ein möglicher Standpunkt - je nach Erwartungshaltung
wird sich wohl jeder sein eigenes Urteil über den Film bilden müssen.
Ich wurde positiv überrascht und kann den Film, trotz seiner "Belanglosigkeit"
und Effekthascherei, aber gerade wegen einer knapp 110- minütigen und nie
langweiligen Tour durchs Museum voller Herz und Witz, empfehlen - vor allem für
jene, die gerne staunen und mal wieder Kind sein möchten. Und an alle Dick van
Dyke- Fans von damals!
Gesamtwertung:
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Verfasser: Florian Widegger, 12.12.2006
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