Rocky Balboa
(Rocky Balboa)

Regie: Sylvester Stallone
Darsteller: Sylvester Stallone, Burt Young, Antonio Tarver, Geraldine Hughes...
Drehbuch: Sylvester Stallone
Produzenten: William Chartoff, Kevin King, Charles Winkler, David Winkler
Musik: Bill Conti
Länge: 102 min.
Freigabe: FSK n.n.B.
Genre:
Action/Sport/Drama
Produktion: USA/2006
Kinostart: DE: 08.02.07 / AT: 09.02.07
Verleih: Centfox
Offizielle HP zum Film und Trailer: www.rockybalboaderfilm.at
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Der etwas in die Jahre gekommene ehemalige Schwergewichts-Weltmeister Rocky Balboa führt ein etwas tristes und einsames Leben: Er steht früh morgens auf, füttert seine zwei Schildkröten und die Vögel draußen, betreibt etwas Sport und besucht das Grab seiner geliebten, leider zu früh verstorbenen Ehefrau Adrian. Das Verhältnis zu seinem Sohn Rocky Jr. ist auch nicht das beste, der junge Mann hasst es, im Schatten seines großen Vaters zu stehen. Regelmäßig trifft sich Rocky mit seinem alten Kumpel Paulie, um Stationen seiner oder ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu besuchen. Abends jobbt Rocky in seinem italienischen Restaurant, in dem er die Gäste mit alten Geschichten unterhält. Eines Abends lernt er die Kellnerin Marie kennen und bringt sie nach Hause, mit ihr und ihrem Sohn Steps freundet er sich an. Bis eines Abends eine Sportsendung läuft, in der ein computergenerierter Kampf stattfindet: Der ehemalige Champion gegen den bisher ungeschlagenen Mason "The Line" Dixon. Und laut Computer würde Rocky diesen Kampf gewinnen. Da Dixon zwar ungeschlagen, aber bei dem Publikum äußerst unbeliebt ist, wittern seine Agenten darin eine Chance. Sie überreden Rocky gegen den Champ in den Ring zu steigen. Der mediale Rummel und die Begeisterung des Publikums sind enorm und obwohl dem gealterten Ex-Weltmeister kaum Chancen eingeräumt werden, schlägt er sich durch den Fight seines Lebens...

Auch wenn ich - Fazit gleich mal vorweggenommen - "nur" 3,5/5 Filmrollen vergeben kann - für mehr reicht einfach die Bindung, die ich zu den Rocky-Filmen habe, nicht - so kann ich insgesamt trotzdem nur sagen: "Was für ein wunderbarer Film". Sylvester Stallone IST Rocky Balboa (aber das wissen wir eh schon seit Teil 1) und "Rocky 6" ist nicht nur der mehr als würdige Abschluss (?) einer beispiellosen Kinosaga, sondern auch eine mehr als adäquate Wiedergutmachung für die "Verbrechen", die von Teil 3 aufwärts an begangen wurden.
"Rocky Balboa" besinnt sich seiner Wurzeln und schraubt den Dramaaspekt der Geschichte deutlich nach oben: Rocky als abgehalfterter Ex-Star, als Typ, der zwar kantig, aber niemals schroff ist, als jemand, der sich zwar nicht sonderlich gehoben, aber immer gewählt ausdrückt - einfach als liebenswerter Protagonist, dem das Schicksal - vielleicht auch nicht mehr als jedem von uns - mitgespielt hat, und der seiner glorreichen Vergangenheit nachtrauert. Grandios ist die Szene am Anfang, in der er mit Paulie (gespielt von einem wunderbaren Burt Young) einen seiner Orte besucht, der ihn mit Adrian, seiner geliebten Frau verbindet, und ihm Paulie klar macht, dass er nur in der Vergangenheit lebt. Die Musikuntermalung in dieser Szene ist durch einen melancholischen Popsong fast schon zu offensichtlich - aber es funktioniert - ich hatte leicht Tränen in den Augen, so unendlich ehrlich ist Stallones Blick in dieser Szene.
Diese Szenen - die Gespräche mit Paulie und später mit Marie, die von der relativ unbekannten Geraldine Hughes ebenfalls mit großer Ehrlichkeit verkörpert wird - sind für mich die Höhepunkte des Films, des "Dramas" Rocky Balboa. Das sind auch die Szenen, die ich am meisten geliebt habe.
Ab der zweiten Hälfte spitzt sich dann natürlich alles auf den finalen Endkampf zu - Aspekte des Dramas werden nach und nach zurückgenommen - das Training beginnt - auch hier werden Erinnerungen an die vorangegangenen Teile wach - Jogging zu "Gonna Fly Now" und schließlich steht Rocky im Ring, um das Unmögliche möglich zu machen. Der Fight an sich ist aber meiner Meinung nach nicht besonders gut inszeniert. Es ist von Anfang an klar, auf was es schlussendlich hinausläuft, und dass Rocky nicht, wie von den Kommentatoren prophezeit, schon nach zwei Runden zu Boden gehen würde. Im Kampf selbst wird mir stellenweise zu rasant geschnitten, die Schwarzweiß- Aufnahmen, die eingestreut werden, sind stilistisch zwar hübsch anzusehen, bringen aber ebenfalls wenig (und erinnern mit dem roten Blut etwas an "Sin City").
"Rocky Balboa" ist nicht nur das Comeback einer filmischen Boxlegende, sondern auch eines Schauspielers, der in seiner Karriere - mit Sicherheit zu Recht - oftmals verbale Prügel hat einstecken müssen. Sylvester Stallone startete 1970 seine Karriere in Softpornos, wurde dann 1976 mit dem Überraschungshit Rocky über Nacht zum Star und konnte ein paar Jahre später auch mit Rambo seinen Platz in der Filmgeschichte sichern. Dann folgte der Absturz, kommerzielle Erfolge waren rar gesät und auch sein schauspielerisches Talent konnte er eher selten unter Beweis stellen (ein sehr gutes Beispiel hierfür wäre "Cop Land"). Sly stand bis vor kurzem auf dem Abstellgleis, und hat mit Rocky 6 jetzt seine vermutlich letzte Chance, um wieder positiv auf sich aufmerksam zu machen. Und obwohl ihm viele dieses Comeback (ich inklusive) nicht zugetraut hätten - er hat es geschafft. "Rocky Balboa" ist - wie ich eingangs erwähnt habe, ein wunderbarer Film: Leicht melancholisch, ehrlich in seinen Emotionen und unterhaltsam zu verfolgen.
Mit Sicherheit eines der ersten Kinohighlights im kommenden neuen Jahr - unbedingt vormerken!


Gesamtwertung: 

Verfasser: Florian Widegger, 21.12.2006

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