
The DaVinci Code - Sakrileg
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks, Audrey Tautou, Jean Reno, Ian McKellen, Alfred Molina...
Drehbuch: Akiva Goldsman
Produzenten: John Calley, Brian Grazer
Musik: Hans Zimmer
Länge: 148 min.
Freigabe: FSK: ab 12
Genre: Thriller
Produktion: USA/2006
Kinostart: DE: 18.05.06 / AT: 19.05.06
Offizielle HP zum Film und Trailer:
http://www.davincicode-derfilm.de/
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Robert Langdon ist ein renommierter Symbologe, der in Paris eine Vorlesung hält,
just als er von einem Polizisten ins Louvre beordert wird. Dort wurde nämlich
der Museumsdirektor unter mysteriösen Umständen ermordet. Was Langdon noch nicht
weiß: Die Polizei, allen voran Capitaine Fache, verdächtigt den smarten
Amerikaner des Mordes! Allerdings bekommt Robert unerwartet Hilfe von der jungen
Kryptologin Sophie Neveu, die ihm zur Flucht verhilft. Zuvor entschlüsseln sie
noch das Rätsel um ein paar Bilder des großen Leonardos (weil man hat ja nix
besseres zu tun, wenn einem die Polizei auf den Fersen ist). Dabei entdecken sie
einen Schlüssel, der wiederum zu einem Schließfach in einer Bank passt, wo sie
eine Kryptex finden. Mit dieser begeben sich die beiden zu Roberts altem Freund
Leigh Teabing, der außerhalb von Paris in einem Chateau haust. Der alte,
verkrüppelte Mann hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Geheimnis um den heiligen
Gral zu lüften und stürzt sich dabei auf die These, dass Jesus und Maria
Magdalena eine gemeinsame Tochter hatten und deren Blutlinie bis in unsere Zeit
fortbesteht. Nach einer weiteren haarsträubenden Flucht geht es ab nach London,
wo sich Leigh als eigentlicher Drahtzieher des ganzen entpuppt: Da er unbedingt
den Gral finden wollte, hat er ein riesiges Netz voller Lügen aufgespannt, aber
Robert ist ihm natürlich einen weiteren Schritt voraus. Er konnte die Kryptex
öffnen und findet weitere Hinweise auf den Standort des Grals: In einem kleinen
Kloster in Schottland wird man schließlich fündig und entdeckt die Wahrheit…
… die ich euch natürlich nicht verrate – denn Leser des Buchs (zu denen ich mich
nicht zähle und jetzt auch nicht mehr zählen werde) kennen sie sowieso, und die
meisten, welche sich die 150 stellenweise doch ziemlich zähen Sakrileg-Minuten
antun, können es sich auch bereits ab der Hälfte denken, wer denn nun der
Nachkomme Jesu ist.
Bereits im Vorfeld gab es ja bereits einige Kontroversen um den Film – die
katholische Kirche riet, ihn nicht anzusehen – trotzdem war bei der gestrigen
Pressevorführung im UCI Megaplexx sogar ein Geistlicher anwesend. Man nimmt das
Thema also ernst, sollte dabei aber auch nicht vergessen, dass es sich hierbei
„nur“ um eine Literaturverfilmung handelt. Auf die religiösen Aspekte möchte ich
mich aber gar nicht so sehr stürzen, die werden mit der kitschigen Auflösung
meiner Meinung nach sowieso stark relativiert – ich habe vor Jahren „Gabriel
Knight 3“ am PC gespielt, in dem es ebenfalls um das Rätsel des Grals und der
Blutlinie ging und muss ehrlich gesagt gestehen, dass an die mit sehr viel
Feingefühl am PC erzählte Story Ron Howards Film nicht im geringsten
heranreicht. Mehr als einen Denkanstoß kann der Film also in religiöser Hinsicht
nicht wirklich bieten.
Umso mehr bietet er aber vor allem großartige schauspielerische Leistungen, die
allesamt auf voller Linie überzeugen: Tom Hanks spielt einen Robert Langdon, der
zwar über 80% der Laufzeit ständig denselben emotionslosen Gesichtsausdruck
drauf hat, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, kann man sich damit sogar
recht gut abfinden. Audrey Tautou bezaubert ebenfalls wieder – ihre Rolle ist
absolut nicht mit ihren bisherigen zu vergleichen – ich konnte ihr aber auch
wirklich jedes Wort aus ihrem Mund glauben. Und mit ihren schönen Augen und dem
süßesten Lächeln von ganz Frankreich ist sie auch hier einfach nur fabelhaft.
Als echtes Highlight stellt sich aber Ian McKellen heraus – der Mann kann nicht
nur langhaarige Zauberer überzeugend verkörpern, sondern auch alternde
„verrückte“ Wissenschaftler. Seine Präsenz ist unbeschreiblich groß und gerade
wegen seiner kräftigen und „very british“ klingenden Stimme sollte man sich den
Film unbedingt im Originalton ansehen! Für mich definitiv eine der
herausragendsten darstellerischen Leistungen in den letzten Jahren. Jean Reno –
schön mit Akzent – bleibt etwas blass als Fache – seine Beweggründe werden erst
später im Film so richtig klar, weshalb man zu Beginn eigentlich nicht
nachvollziehen kann, weshalb er gerade Robert verdächtigt. Weiters zu sehen sind
Paul Bettany als selbstgeißlerischer Mönch Silas, der unfreiwillig Erinnerungen
an Mel Gibsons „Passion“ weckte, sowie Alfred Molina als Bischof Aringarosa, der
ebenfalls über zu wenig Screentime verfügt, um wirkliche Akzente setzen zu
können.
Zu wenig Screentime – das bringt mich schon zum nächsten Punkt, der enormen
Überlänge des Films! Sicherlich – es handelt sich um eine Literaturverfilmung,
die höchstwahrscheinlich sowieso schon arg Federn lassen musste (kann ich, wie
gesagt, nicht beurteilen), aber gerade der Nebenstrang rund um Aringarosa und
Silas hätte noch viel stärker gestrafft gehört – so unterbrechen die Szenen
immer wieder potentielle Spannungsmomente in der „Hauptstory“.
„Sakrileg“ zeichnet sich vor allem auch durch ziemlich interessant eingefügte
Flashbacks aus, in denen sich der Hintergrund plötzlich transformiert und die
tatsächlichen Darsteller plötzlich in der Vergangenheit wandeln – z.B. in einer
Londonsequenz. Der Effekt ist zwar ebenfalls wieder etwas gewöhnungsbedürftig,
dürfte aber dem „gemeinen“ Kinogänger durchaus gefallen!
Gott sei dank hält sich der Film mit hollywoodesken Einschüben dezent zurück:
Sophies Flucht vor der Polizei im Rückwärtsgang durch die Straßen von Paris ist
da schon die einzige haarsträubende Actionsequenz, die uns Howard auftischen
will – ebenfalls komisch erscheinen Tom Hanks übernatürliche Regenerationskräfte
zum Schluss, wo er sich doch – was der männlichen Leserschaft wahrscheinlich
auch schon passiert ist – beim Rasieren arg schneidet, ein paar Sekunden später
aber bereits kein Kratzer mehr zu sehen ist, oder auch zu Beginn, als er die
komplexesten Anagramme im Sekundentakt entschlüsselt, scheint das Drehbuch (oder
auch die Vorlage) doch etwas holprig zu sein – „Hauptsache weiter geht’s“
scheint hier das Motto gewesen zu sein. Auch wenn die Story über den Großteil
der Laufzeit ernst zu nehmen ist und auch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl
abgehandelt wird, so gibt es trotzdem immer wieder kopfpatsch- Szenen, bei denen
man am liebsten laut loslachen möchte und leider handelt es sich bei diesen
eigentlich immer um die Schlüsselszenen des Films: Vor allem gen Schluss, in dem
alles auf die – ich sags noch mal – kitschige Auflösung rausläuft, und sich
Tatou und Hanks wirklich bemühen und allerlei Ernst aufbringen, wirkt die
Szenerie im Keller des schottischen Klosters einfach nur zu lächerlich und dann
erst die Überraschung, wenn die beiden wieder rauf steigen… auch die allerletzte
Sequenz, in der Robert den Gral „tatsächlich“ findet ist völlig unnötig im Film
und macht diesen halt auch einfach nur noch ein paar Minuten länger.
Regisseur Ron Howard lässt sich dabei kaum auf Experimente ein, im Gegenteil –
vieles erinnert an sein Meisterwerk „A Beautiful Mind“,
an das „Sakrileg“ sicherlich nicht heranreicht. Auch die Musik von
Fließbandkomponisten Hans Zimmer kann den Film „nur“ unterstützen, bleibt aber
nicht wirklich im Ohr.
Somit bleibt unterm Strich ein etwas zu langer, aber nichts desto trotz
sehenswerter Film übrig, der vor allem auf darstellerischer Ebene schwer
überzeugen kann, dennoch ein paar kleine Macken in sich trägt und wohl auch
gerade deswegen zu empfehlen ist. Ein Glanzstück ist Howard zwar nicht gelungen,
für einen etwas anspruchsvolleren Kinoabend, der auch ein bisschen zum Denken
anregt, reicht es aber allemal!
Gesamtwertung:
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Für die Redaktion: Florian Widegger
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